vj-logo-800Ein Text von Michael Suhr vom Volksdorf-Journal

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Eingeladen zum vergangenen Mittwoch 10.02.2016,  hatte die Initiative

                                            ‚Lebenswerter Buchenkamp‘

Kai Martens, der Sprecher der erst vor rund vier Wochen gegründeten Initiative, begrüßte die Anwesenden und wies zunächst einmal darauf hin, dass die Initiative ‚Lebenswerter Buchenkamp‘ überparteilich sei..

Nun sei geplant, auf dem Gelände des ehemaligen Ferck’schen Hofes 60 Wohneinheiten und eine Dementen-WG mit 30 Plätzen zu bauen. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Belegung der Wohneinheiten mit 4 Personen seien das 270 Personen. Dazu kämen dann noch 950 Menschen in der Flüchtlingsunterkunft, also insgesamt rund 1.200 Personen. „Stadtteilgerechtigkeit ist schön und gut. Der Buchenkamp ist aber nicht glücklich ausgewählt. Echte Stadtteilgerechtigkeit sieht anders aus“, so der Vortragende zur Meinung der Initiative ‚Lebenswerter Buchenkamp‘.

Anschließend kam Dr. Meyer zu Wort, die zunächst herausstellte, dass sie sich schon 2012 im Rahmen einer Hausarbeit mit der Fläche befasst hat. Sie erklärte den Zuhörern, dass es dem für den Bau ins Auge gefassten Gebiet zumindest fünf Pflanzenarten gäbe, die in Schleswig-Holstein und Hamburg auf der ‚Roten Liste‘ stünden, zum Beispiel der Sumpfquendel. „Ich ärgere mich über die Aussage der Politiker, dass die Tonradswiese ökologisch minderwertig ist“, so die Biologin, die auch an dem Gespräch der Initiative mit SPD und GRÜNEN teilgenommen hatte. Zur einer von der den Bau der Flüchtlingsunterkunft unterstützenden Initiative ‚Volksdorf hilft‘ veröffentlichten Grafik merkte sie an, dass sie es erstaunlich finde, dass die Fläche, die für den Bau der 60 Wohneinheiten und der Dementen-WG eingezeichnet ist, wesentlich größer sei, als die Fläche, auf der die Unterkünfte für die 950 Menschen entstehen sollen. „Aber auch wenn nur eine relativ kleine Fläche bebaut wird, die dort vorhandenen Feuchtgebiete werden wohl trocken fallen. Was soll dann später renaturiert werden?“, so Meyer. Auch die dort vorhandenen Knicks müssten wohl zumindest an einigen Stellen durchbrochen werden.

Anschließend berichtete Kai Martens über das Gespräch mit den Politikern. „Es ist lediglich ein erster Gedankenaustausch gewesen, der auch dem gegenseitigen Kennenlernen diente“. Es seien bei diesem Gespräch seitens der beteiligten Politiker auch andere Flächen vorgestellt worden. Dabei sei aber die Aussage der Politiker gewesen, dass diese nicht als Alternative zur Bebauung am Buchenkamp taugten. Die Politik wolle aber weitere Flächen prüfen. Dr. Meyer wies darauf hin, dass die Flächen bisher immer unter dem Gesichtspunkt geprüft worden seien, dort 950 Menschen unterzubringen. Kleinere Unterkünfte seien dabei überhaupt nicht in Erwägung gezogen worden. Die Initiative wolle in der nächsten Zeit selbst nach Alternativen suchen.

Das Gespräch habe ungefähr 2,5 Stunden gedauert. Die Initiative habe vorher einen Fragenkatalog erarbeitet mit ’sozialen Fragen‘ und ‚grünen Fragen‘. Zu den ‚grünen Fragen‘ sein man noch nicht gekommen. Ein neues Gespräch sei für den März vorgesehen.

Roland Empen, ein Vertreter der BUND-Bezirksgruppe Wandsbek, der als Zuhörer anwesend war, lehnte eine derartige Bebauung ebenfalls ab. Der BUND wolle auf der Tonradswiese demnächst gezielt nach geschützten Arten (Vögel, Fledermäuse und Amphibien) suchen. „Außerdem müssen die Grundwasserstände untersucht werden“, so der Naturschützer, der gleichzeitig ein ablehnendes Statement des BUND ankündigte. Der NABU hatte sich gerade ebenfalls gegen eine Bebauung dort ausgesprochen (das Volksdorf Journal berichtete). Er schlug vor, die für strassenparallele Bebauung mit 60 Wohneinheiten und der Dementen-WG vorgesehene und vom bezirklichen Gutachten als nicht so schützenswert eingestufte Fläche auf dem ehemaligen Ferck’schen Gelände übergangsweise für die Flüchtlingsunterbringung zu nutzen. Dort wäre später dann auch eine Renaturierung eher möglich. Auch dieses Gutachten habe die jetzt für die Bebauung vorgesehene Fläche als schützenswert eingestuft. „Wenn man schon ein Gutachten macht, dann sollte dieses Gutachten auch ernst genommen werden.“ Auch wies er darauf hin, dass die ins Auge gefasste Fläche eigentlich schon seit 1994 als Ausgleichsfläche für die damals entstandene Bebauung am Buchenkamp vorgesehen sei, was bisher immer noch nicht umgesetzt wurde.

Auf die Frage an die Vertreter der Initiative aus dem Publikum „Was wollen Sie machen, wenn trotz der laufenden Gespräche die Baufahrzeuge einfach kommen, haben Sie einen Plan B?“, antwortete Kai Martens „Wenn wir mitbekommen, das ist nur eine Alibishow und man will gar keine Kompromisse, dann werden wir den Rechtsweg gehen.“ Ein erster Besuch beim Rechtsanwalt sei für Freitag geplant.

In der offenen Diskussion kamen aus dem Publikum, das spürbar weit überwiegend aus Gegnern des Projekts bestand, dann noch zahlreiche Fragen, aber auch konstruktive Vorschläge, zum Beispiel:
…..

– Ich freue mich, wie ruhig und besonnen an diesem Abend diskutiert wird.
– Ich bin überzeugt davon, dass überhaupt nicht genug Häuser dahin passen. Deshalb wird sich die Zahl reduzieren. Volksdorf wird sich aber sowieso, schon wegen der Nachverdichtung auf den Grundstücken, verändern und einen städtischen Charakter bekommen.

Schließlich kam dann aus dem Publikum noch die Frage, die natürlich für die neu gegründete Initiative ‚Lebenswerter Buchenkamp‘ im Mittelpunkt stand: „Was kann man machen, um Sie zu unterstützen?“, eine Frage, auf die offensichtlich viele der Anwesenden gewartet hatten.

„Wir suchen zum Beispiel jemanden, der uns bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, und jemanden, der eine Internetseite erstellt. Wir brauchen Juristen, und wir brauchen Geld“, so der Sprecher der Initiative.

Das mit dem Geld wurde dann auch sogleich in Angriff genommen, indem eine Stoffeinkaufstüte als ‚Klingelbeutel‘ durch die Reihen gegeben wurde. Außerdem wurde auf die ausgelegten Listen verwiesen, auf denen man sich für einen eMail-Verteiler eintragen konnte. Das machten auch viele der Besucher des Abends, als sie den Wagnerhof so gegen 21:00 Uhr wieder verließen. So mancher wird sich dann nach einer Sitzgelegenheit gesehnt haben, weil er eineinhalb Stunden im Stehen verbracht hatte.

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